„Fünf vor 12: Für einen schöneren Schlossblick in Entringen“: Faktencheck zum Tagblattartikel „Die Baumfrage“

Unmittelbar nach Schließung der Petition „FÜNF VOR 12: FÜR EINEN SCHÖNEREN SCHLOSSBLICK IN ENTRINGEN“ erschien am 17. März im „Schwäbischen Tagblatt“ ein Artikel (Die Baumfrage) mit teils empörten Reaktionen der Fraktionssprecher im Gemeinderat, die so nicht stehen bleiben können.

Hier einzelne Punkte im Faktencheck:

Baumbestand: Bereits in der Broschüre zum „Siegerentwurf“ vom März 2019 ist mehrfach die Rede von den Bestandsbäumen: „Durch die Berücksichtigung und den Erhalt prägender Bestandsbäume … entstehen innerhalb des neuen Quartiers besondere Plätze und Orte, die eine hohe Qualität haben und identitätsstiftend sind. Auf drei Plätzen … findet öffentliches Leben im Halbschatten der Bestandsbäume statt“. Laut Protokoll der Gemeinde zum 2. Workshop beantwortet Herr Müller die Frage eines Gemeinderates, wie man die Bäume im Schlossblick-Areal während der Bauzeit schützen wolle, man könne eine „ökologische Baubegleitung“ machen. Selbstverständlich müssen Bäume gefällt werden, wenn gebaut werden soll, zu keinem Zeitpunkt war aber von der Abholzung aller Bäume auszugehen. Zum Thema Bäume gab es anscheinend während der Auslegung Einspruch. Bisher ist über den Umgang mit den Einsprüchen nichts bekannt geworden. Die Abholz-Aktion lässt jedoch Schlimmes ahnen.

Nicht zum ersten Mal müssen Bürger, die sich für einen „Schöneren Schlossblick“ engagieren, ohnmächtig zuschauen, wie das Projekt rücksichtslos vorangetrieben wird.

Die Petition wurde gestartet, um Verwaltung und Gemeinderat zu zeigen, dass es nicht nur ein paar Anlieger sind, denen die bisherigen „Zugeständnisse“ noch nicht genügen und die deswegen Einwände gegen die ausgelegten Pläne zur Bebauung haben. Gleichzeitig werden die Gemeinderäte gebeten, diese in ihre Überlegungen beim Satzungsbeschluss einzubeziehen.

Im Gemeinderat habe Frau Halm die „Vorwürfe“ zurückgewiesen. Es war vermutlich ein nicht öffentliches Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden, zu dem Frau Hahn eingeladen war. Wann der GR die Pläne „angeschaut“ hat, ist nicht bekannt.

Es wird relativ viel gelogen, beispielsweise beim Spielplatz. In den Erläuterungen zum Siegerentwurf liest man 2019: „Im Nordosten, Südwesten und innerhalb dem verdichteten Geschosswohnungsbau befinden sich 3 Spielplätze mit entsprechenden Freianlagen“, und weiter: „der große Spielplatz verbleibt an seiner jetzigen Position und wird ergänzt durch attraktive Spielelemente“. Anliegen der Bürgerinitiative war es, diese Spielflächen zu einem großen öffentlichen Spielplatz für alle Entringer Kleinkinder zusammenzulegen.

In den ausgelegten Plänen ist davon nur der bereits vorhandene Spielplatz übrig geblieben, auf dem jetzt schon Gedränge herrscht. Überdies wurde er um die Zufahrt zum Ideenteil verkleinert. Deshalb wird weiter dessen Erhalt in voller Größe gefordert, natürlich zuzüglich der für die Geschossbauten und Baugruppen erforderlichen Flächen nach § 9 LBO (2).

Die Dichte wurde wieder um 20 Einwohner erhöht (W10 mit 9 Wohneinheiten), die Zahl der möglichen Wohneinheiten steigt damit von 89 auf 98, davon übrigens gerade mal 11-12 Sozialwohnungen. Nicht enthalten sind die ca. 13 Wohneinheiten im Ideenteil. Die spürbare Reduzierung der Dichte ist und war immer die zentrale Forderung der BI. Ein Vergleich mit Tü-Bühl oder Reusten (s.u.) zeigt, wie recht die BI damit immer noch hat. Hätte man auch in Entringen ein vernünftiges und für den Ort verträgliches Maß eingehalten, wäre es nie zu einer Bürgerinitiative gekommen, vielmehr hätte schon längst der erste Spatenstich für den Schlossblick stattfinden können.

Um Abstand zum Friedhof zu halten wurde … ein Fuß- und Radweg geplant. Hierbei handelt es sich nicht um ein Zugeständnis an die BI. Vielmehr lag mit der Nähe der Geschossbauten zum Friedhof von vornherein ein Planungsfehler vor, der mit dem Bestattungsgesetz kollidierte, das einen Mindestabstand von 10 m zum Friedhof vorsieht. Ob dies bei dem Gebäude im Friedhof der Fall sein wird, ist noch zu prüfen.

Ein Verkehrsberuhigungskonzept, öffentlich ist darüber nichts bekannt. Das Quartier selber ist verkehrsberuhigt, die Zufahrten werden dagegen erheblich mehr belastet bzw. überlastet. Wie die Parkplätze im Süden realisiert werden sollen, ist völlig offen und noch nicht festgelegt.

Missverständnis mit den Bäumen s.o. Es gab von Anfang an genügend Grund zu der Annahme, dass auf den vorhandenen Baumbestand größtmögliche Rücksicht genommen würde.

Wir brauchen Verdichtung. Das hat auch die BI nicht grundsätzlich in Frage gestellt, wohl aber das Ausmaß der Verdichtung oder deren Angemessenheit (s.u.).

Optionsfläche im Friedhof, bereits im Mai 2019, noch vor dem 1. Workshop, teilte Herr Scheinhardt im Gespräch mit der BI mit, das Gebäude sei gestrichen. Zu keinem Zeitpunkt tauchte es wieder in den Plänen auf, bis Frau Halm im Mai 2020 zum Schluss der Abstimmung über den Schlossblick ohne weitere Begründung vorschlug, W10 als „Platzhalter“ wieder einzufügen. Zumindest ein GR fand das „unfair“. Von Frau Hahn wurde damals berichtet, mit „versteinerten Gesichtern“ (unter Masken gut zu sehen) und „stumm“ (wie auch sonst, es war ja keine „Fragestunde“ anberaumt) habe das Publikum die Diskussion verfolgt. Es gab von Seiten der BI den Vorschlag, im Süden des Friedhofs ein Gebäude vorzusehen mit altengerechten Wohnungen in der direkten Nachbarschaft zum Samariterstift. Im oben erwähnten Gespräch erläuterte Herr Scheinhardt weiter, die Gebäude seien nicht „querfinanziert“, sondern müssten sich selber tragen. Die Kreisbau könne auch auf 1000 m2 bauen. Im Kreistag hieß es schon am 20. 3. 2019, durch den Verzicht auf Tiefgaragen und Aufzüge könne man man die Kosten reduzieren, die Wohnungen im EG seien auch weiterhin barrierefrei …“.

Es müssen also nicht zwingend drei- bis viergeschossige Mehrspänner gebaut werden, um rentabel für die Kreisbau GmbH zu sein.

Es passiert an vielen Orten, dass nebenan gebaut wird. Zu keinem Zeitpunkt haben sich Bürger gegen die Bebauung des „Schlossblicks“ an sich ausgesprochen. Schon gar nicht gegen sozialen Wohnungsbau, wir wollen ihn selbstverständlich auch im „Schlossblick“.

Info-Kasten:

  • anonym gekennzeichnet heißt hier – wie auf der Startseite der Petition nachzulesen -, dass die Namen nicht im Netz zu sehen sein sollen, aber jede einzelne Unterschrift vorliegt und auch verifiziert wurde.
  • Andere sehen … den Wert ihrer Immobilie in Gefahr: Von 588 Unterstützern haben 125 einen Kommentar abgegeben, nicht einige, sondern ein einziger fürchtet eine Wertminderung seiner Immobilie.

Vergleich zwischen Wolfsberg III in Reusten, den Kreuzäckern in Bühl und dem „Schlossblick“ in Entringen.

Reusten

  • Dichte 80 EW/ha, „dies sei heute auch im ländlichen Raum zeitgemäß“
  • Gebäudehöhe max. 10, 30m
  • Ortsrandlage
  • Erschließung direkt über die Kreisstraße
  • „Insellösung“ mit den Geschossbauten im Zentrum, umgeben von kleineren Einheiten
  • Erhebliche Bürgerproteste bisher noch nicht bekannt

Bühl

  • Dichte 114 EW/ha. Diese Berechnung beruht auf der Annahme von 2,45 Bewohnern pro Wohneinheit. In Ammerbuch rechnet man mit dem Faktor 2, 2. Mit diesem Faktor ergäben sich lediglich 101 EW/ha.
  • Gebäudehöhe mehr als 10 m
  • Ortsrandlage
  • Erschließung, über die Roteschstraße, Anschluss an die L370
  • „Insellösung“ mit den Geschossbauten im Zentrum, umgeben von kleineren Einheiten
  • Anpassung der Dachlandschaft und der Gebäude an die Umgebungsbebauung wird ausdrücklich erwähnt.
  • Keine Bürgerproteste bekannt

Entringen

  • Dichte 129 EW/ha, ohne das Gebäude W10 mit weiteren 20 Einwohnern. Rechnet man im „Schlossblick“ mit demselben Faktor wie in Bühl, ergibt sich unter Einschluss von W10 eine Dichte von 160 EW/ha.
  • Gebäudehöhe max. 13 m (WA6), dazu kommen noch die „aufgeständerten“ Solaranlagen und ggf. Aufbauten für Aufzüge
  • Inmitten einer bestehenden, kleinteiligen Bebauung
  • Erschließung über schon heute überlastete und zugeparkte Straßen durch umliegende Wohngebiete
  • Im Wettbewerb gab es auch eine „Insellösung“, die sich gut in die Umgebung einpasste. Diese wurde wegen „zu geringer Dichte“ aussortiert, vielmehr sei das Ziel gewesen „zu schauen, wie dicht man bauen kann“.
  • Die Gebäude wirken wie ein Fremdkörper in der benachbarten Bebauung. Seit dem Tag der Präsentation des „Siegerentwurfes“ gibt es ganz erhebliche Einwände gegen das Projekt, die bis heute von ca. einem Fünftel der Wahlberechtigten in Entringen geteilt werden.

Aus dem Dichtevergleich folgt, dass in Entringen im Vergleich zu Bühl (beide an einer Verkehrsachse gelegen) nach wie vor eine weit über das übliche Maß hinaus gehende Dichte angestrebt und verteidigt wird.

Verantwortlich für den Inhalt Dr. Ursula Schmitz, Weidenstraße 13, 72119 Ammerbuch

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