Hier gebe ich einen kurzen Bericht (kein Verlaufsprotokoll) über die Einwohnerversammlung in der Sporthalle der Gemeinschaftsschule am Alemannenweg. Die Versammlung war sehr gut (ca. 300 Personen) besucht, die Hütte war voll. Das zeigt, wie sehr die Bebauung des „Schlossblicks“ in der Entringer und Ammerbucher Bevölkerung diskutiert wird, wie groß auch die Engagementbereitschaft ist. Die Bürgerinitiative „Besserer Schlossblick“ kann sich gratulieren!
Am Anfang lag ziemliche Spannung in der Luft, obwohl die Tagesordnung eigentlich mit der Bürgermeisterin abgesprochen war, aber der überraschende Punkt, Pinwände für die Anwesenden vorzusehen, die nicht mit dem Mikrofon „vor allen Leuten“ reden möchten, die Länge der Beiträge der Architekten, insbesondere von Herrn Senner, der es für nötig hielt, den Entringern Photos von Entringen vorzuführen, ließen eine Atmosphäre entstehen, die sich auch in einem Unwetter hätte entladen können. Gottlob: es kam nicht so.
Darüber also kein weiteres Wort, obwohl reichlich Stoff für sarkastische Bemerkungen vorhanden wäre. Alles verkniffen.
Im Anschluss an die wenig inspirierenden Vorredner hielt meine Frau, unterstützt von einer Powerpoint-Präsention, einen kurzen, mehrfach von Applaus unterbrochenen Vortrag, der alle Schwachpunkte des sog. „Siegerentwurfs“ auflistete. Danach spätestens war jedem klar: so wie vorgesehen geht es nicht!
Hier kurz zusammengefasst die wesentlichen Kritikpunkte:
- Die vorgesehene Verdichtung ist absurd hoch, sie wird mehrheitlich und ganz deutlich abgelehnt. Interessant, was im Verlauf des Abends Herr Lüttin als verantwortlicher Architekt dazu zu sagen hatte: Der Wettbewerb habe dazu aufgefordert, eine maximale Verdichtung darzustellen. Das, bitte schön, habe er getan! GFZ 1,2 und GRZ 0,4 (das sind in der Tat die für Wohnbebauung zulässigen Obergrenzen, die auch für München-Perlach oder Berlin, Gropiusstadt gelten). Und damit dann den ersten Preis gewonnen. Verdientermaßen, muss man zugeben, denn die brutalstmögliche Verdichtung findet sich eben in diesem Entwurf. Abgesehen davon, dass man den Ausschreibungsverantwortlichen anheften muss, sie hätten sich etwas Gescheiteres ausdenken können, auch abgesehen davon, dass das ganze Verfahren von Anfang an politisch unhygienisch war, enttäuscht mich (ich bin Sohn eines Architekten) das mangelnde Ethos: Ein Architekt hat nicht das maximal Mögliche, sondern das optimal Machbare darzustellen. Wer dazwischen nicht zu unterscheiden vermag, der, sorry, hat gründlich sein Thema und am Ende seinen Beruf verfehlt. Aber so kam es ja auch: Man hatte den Eindruck, dass den Architekten ziemlich gleichgültig ist, wie es am Ende ausgeht: „Wenn Sie das nicht wollen, dann rücken wir das etwas weiter hinauf, aber das hat dann Auswirkungen auf die Straße“. „Wenn wir die Verdichtung herausnehmen, kriegen wir eben weniger Wohneinheiten“ und so weiter. Gesamteindruck: Es ist uns ziemlich egal, was Ihr wollt, Hauptsache, wir bauen! Danke sehr!
- Kreisbau die erste: Dass diese Gesamtmisere der mitausschreibenden Kreisbau GmbH geschuldet ist, ergab sich alsbald. Die Kreisbau kann nichts anderes als Klotzbau, oder um es im konsensorientierten Neusprech zu formulieren: Sie kann nichts anderes, sie macht nichts anderes und sie will nichts anderes als architektonisch gefällig gestaltete und alsdann „günstig“ zu vermietende Geschossbauten zu errichten, möglichst, wie unlängst zu lesen war, mit genormten Bauteilen, ohne Aufzüge und Tiefgaragen (was gottlob hier nicht in Frage kommt, vgl. Kreistagsdrucksache 008/19). Und das tut sie mit Begeisterung, zum Beispiel in Dusslingen, wo sie aber auch nicht auf den ungeteilten Jubel der Bevölkerung stößt (wie am 14. Mai in einem Leserbrief im Tagblatt zu lesen war: „Die Investoren, allen voran die Kreisbaugesellschaft Tübingen, reiben sich jetzt schon die Hände“, ebenso Leserbrief im ST vom 22. Mai: „Bauwahnsinn“). Ansonsten kann die Kreisbau aber nur, was andere auch könnten: „Die Baukosten sind, wie sie sind“, ließ uns Herr Scheinhardt wissen, und das ist richtig. Deshalb kann nur günstiger gebaut werden, wenn man Wohnungen möglichst viermal aufeinandertürmt und das Ganze drei- oder vierspännig organisiert. Das ist dann wirtschaftlich darstellbar. Aber jetzt noch mal und ganz deutlich: Was für die Kreisbau wirtschaftlich darstellbar ist, kann kein Maßstab für die Gestaltung eines Entringer Wohnbezirks sein, der als „Filetstück“ in bester Lage gilt. Wenn die Kreisbau GmbH es nicht darstellen kann, dann, bitte schön, soll sie’s doch lassen.
- Kreisbau die zweite. Wie zu hören war, erhält die Kreisbau keinen subventionierten Baulandpreis. Die 400 Euro/qm sind, wie Frau Halm sagte und die Kreisbauler durch eifriges Kopfnicken bestätigten, der Preis, zu dem die Gemeinde das Bauland im „Schlossblick“ abgibt. Das ist eine gute Nachricht für alle, die mit dem Gedanken spielen, dort Bauland zu erwerben und zu siedeln, sie können jetzt kalkulieren. Der Preis beträgt 400 € /m². In diesem Zusammenhang muss ich mich entschuldigen, gehöre ich doch zu denen, die dem Gerücht aufgesessen waren (oder es gar befeuert haben), die Kreisbau GmbH erhalte subventioniertes Bauland. Das tut mir Leid und ich entschuldige mich tief zerknirscht bei allen, denen ich Unrecht getan habe. Zu meiner Entlastung kann ich nur anführen, dass es in den von der Gemeinde bereitgestellten Daten ausdrücklich hieß, für die Preisfestsetzung für alle übrigen sei noch die Fortschreibung der Bodenpreisrichtwerte erforderlich. Ich lasse mich gerne belehren und entschuldige mich! Den alten Text habe ich aber vorsichtshalber oben noch stehen lassen, wir bleiben dran.
- Aber man darf fragen: Wenn der Baugrund so teuer ist, kann man dann ausgerechnet dort „sozialen Wohnungsbau“ betreiben? Kann man am Uferrand des Starnberger Sees Sozialwohnungen errichten? Zum Marktpreis sicherlich nicht. Wenn eine Gemeinde das politisch will (etwa um ihrer Sozialverpflichtung nachzukommen), dann geht das nur, wenn sie den Grundstückspreis heruntersubventioniert. Sozialer Wohnungsbau rechnet sich in diesem Sinne nie, es kostet die Gemeinschaft einfach Geld, eine Sozialleistung ist wirtschaftlich nie „darstellbar“, eben weil es eine Sozialleistung ist. Deshalb kann man eigentlich nur den Weg gehen, dass die Kreisbau für die Errichtung von Sozialwohnungen sehr günstiges Bauland erwerben kann. Aber auch nur dafür. Für alles, was sie sonst zu errichten gedenkt, soll sie in der Tat den Marktpreis bezahlen! Und vierstöckig kommt sowieso nicht in Frage.
- Kreisbau zum dritten. Im Laufe des Abends wurde der Vorschlag gemacht, in Pfäffingen an der Nagolder Straße könne man an „urbanes Bauen“ denken. Das hat in der Tat seinen Reiz, denn erstens befinden sich dort schon Gebäude von beeindruckendem Format (Ärztehaus z.B.), zweitens ist die Umgebung mit den Supermärkten schon relativ „urban“, drittens bleibt der Dorfkern und dessen Erscheinungsbild unberührt und viertens ist auch die Verkehrsanbindung gegeben. Darüber könnte sich die Kreisbau GmbH ja mal Gedanken machen …
- Dass bei der Planung des „Schlossblicks“ entweder gar nicht oder ergebnislos über die Verkehrsanbindung nachgedacht worden ist, war und ist ein durchgängig festgestelltes Manko. Diesbezüglich fehlt es an jedem Konzept. [Hier finden Sie eine Petition von Anwohnern der Bebenhauserstr., die eine Lösung für ihr Problem vorschlagen.] Das müsste unter Zugrundelegung von anerkannten Parametern schleunigst nachgeholt und vorgelegt werden. Dabei wären auch die Belange von Kelter und Friedhof zu berücksichtigen.
Das soll hier genügen. Der Länge wegen werden andere Punkte (z.B. Spielplätze, wasserwirtschaftliche Fragen etc.) hier nicht thematisiert, was aber nicht bedeutet, dass ich sie für unwichtig hielte. Am Schluss bestand Konsens darüber, dass die Bürgerbeteiligung intensiviert weitergeführt werden soll: in Form von „Workshops“, die das Unternehmen voranbringen sollen und hoffentlich zu einem guten Ende führen.
Zurück zum „Stand der Dinge“