Schon am Faschingswochenende war besorgt gefragt worden, ob und was man gegen diese Verdichtungsorgie tun könne. Einzelne fanden sich zusammen, sammelten Unterschriften und versuchten im direkten Kontakt mit den Bürgern, das Interesse an den vorgelegten Entwürfen zu wecken bzw. zu intensivieren. Dies waren vornehmlich (aber nicht ausschließlich):
- Ursula Schmitz, Weidenstr. 13
- Eugen Bühler, Weidenstr. 7
- Anton Deubel, Rosengartenstr. 6
- Tilman Köllisch, Weidenstr. 15
- Roland Ensinger, Weidenstr. 17
In kürzester Frist waren mehr als 250 Unterschriften gesammelt, die folgendes Anliegen hatten:
„Die unterzeichnenden Bürger wünschen eine Bürgerversammlung zum Thema „Schlossblick“ im Ortsteil Entringen. Das Projekt soll öffentlich vorgestellt und diskutiert werden, bevor eine Beschlussfassung im Gemeinderat oder die Aufstellung eines Bebauungsplans hier Fakten schafft“.
Eigentlich klar, oder? Für Leute mit weniger schneller Auffassungsgabe: Dasselbe Anliegen war auch in dem von fünf Mitbürgern unterschriebenen Begleitschreiben vom 14. März noch einmal vorgetragen worden. Die Verwaltung reagierte darauf – überhaupt nicht! Es gab nicht einmal eine Eingangsbestätigung, geschweige denn eine Auskunft, wie sich das weitere Procedere gestalten könne. Nichts dergleichen. Stattdessen rief Frau Halm, kaum dass sie Wind von der Sache bekommen hatte, flugs eine „Info-Veranstaltung“ aus (die durchaus etwas anderes ist als eine Einwohnerversammlung im Ortsteil Entringen). Man kann das als bürgerfreundlich, offen, kooperativ und entgegenkommend ansehen, aber man ist bei Gott nicht dazu verpflichtet. Dies um so weniger, als man wenige Tage später das Gefühl bekommen musste, belogen und betrogen zu werden.
Wie das? In dem bereits zitierten Artikel des Schwäbischen Tagblatts vom 20. März ließ Hauptamtsleiterin Gretel Rauscher verlautbaren:
„Es wird keinen Beschluss geben, dass mit den Architekten weiterverhandelt wird“. Vor einem Beschluss „wolle man mit der Bevölkerung in Dialog treten“. Das Urteil des Preisgerichts sei lediglich „eine Empfehlung“. Der Gemeinderat sei „nicht verpflichtet, der Empfehlung zu folgen“.

Auch die Bürgermeisterin ließ sich in diesem Sinne vernehmen. Vor der Einwohnerversammlung „werde im Gemeinderat nichts entschieden“ (wobei man es beinahe anerkennend vermerken muss, dass sie sich im gleichen Atemzug zum „Siegerentwurf“ bekannte).
Sehr schön, dachte sich der brave Bürger – man wird gehört, nichts wird entschieden, man will den Dialog mit Unsereinem. Pustekuchen! Denn was wird auf der Gemeinderatssitzung tatsächlich verhandelt?
„Beschlussfassung über die weitere Vorgehensweise“ las man auf der Tagesordnung der GR-Sitzung für den 8. April.
Von der Sitzung selbst ist, von Absurdem und Peinlichem abgesehen, nicht viel zu berichten. Absurd, dass man mit Blick auf die „verdichtete Bebauung“ menetekelhaft-dräuend die Berliner Demos gegen die Wohnungsnot anführte. Das ist platter Populismus in seiner dümmsten Form und als Argument ganz und gar untauglich: Die Berliner Verhältnisse haben mit den Entringer Zuständen ungefähr so viel zu tun wie mit den Zuständen in – sagen wir – Mumbai. Peinlich die endlosen Selbstbeweihräucherungen und das Eigenlob der Architektencrew: Leute mit Berufserfahrung, ja wer hätte denn das gedacht? Und mit Mitarbeitern, die „schon lange Jahre“ bei uns sind. Nein, Teufel aber auch, wen interessiert denn das?
Ansonsten hatten sie reichlich das Wort, die interessierten Bürger, die in Scharen gekommen waren, weniger. Zwar wäre es nach der Geschäftsordnung des Gemeinderats ein Leichtes gewesen, einem der Anwesenden ein Rederecht einzuräumen, aber eine schüchtern vorgetragene diesbezügliche Anfrage wurde abgebügelt. Und ohnehin hätte es Frau Halm freigestanden, eine(n) der Kritiker(innen) einzuladen, um den einen oder anderen Gesichtspunkt vorzutragen. Das wäre, immerhin möglich, der Meinungsbildung im Gemeinderat am Ende vielleicht zuträglich gewesen. Aber nein, die Bürgerbeteiligung 2.0 nach Ammerbucher Art sieht halt eher so aus: Ruhe bitte! Wer so in den Wald hineinruft, der soll sich – bitte sehr – doch nicht wundern, wie es wieder herausschallt.
Kurzum, trotz eher zaghafter Meldungen aus Kreisen der GAL, man solle doch vielleicht und am Ende von einer Beschlussfassung absehen, wurde verfahren, wie die Bürgermeisterin es wollte! Geistreicher Moment am Schluss: Einer der Architekten meinte, man kenne nun die „Sorgen“ der Bürger und könne so weiterplanen. Der Mann hat nichts gehört und jedenfalls nichts verstanden!
Das ist der Stand der Dinge: am 29. April gibt es eine Einwohnerversammlung. Wegen der Tagesordnung fand am 15. April ein Vorgespräch mit Frau Halm statt, in dem ein vorläufiger Konsens über den Ablauf der Einwohnerversammlung erzielt wurde. Immerhin! Die Einwohnerversammlung hat mittlerweile stattgefunden, ein Bericht darüber weiter unten.
Es kann hier nicht alles aufgeführt werden, was gegen den „Siegerentwurf“ spricht, aber einiges schon, Argumente lesen Sie auf der folgenden Seite.