Verlauf und Kommentar
Den Begriff kann man eigentlich nur in Anführungszeichen setzen: Die Veranstaltung, zu der Frau Halm und Herr Weichold seitens der BISS begrüßten, hieß nämlich nur so, ein Workshop war es aber nicht. Die Bedingungen seien, so selbst Frau Halm am Schluss, „suboptimal“ gewesen, doch die Verwaltung sei „lernfähig“. Das wollen wir aber auch hoffen. Da es einen Anmeldezwang gab, konnte die Gemeinde nicht davon überrascht sein, dass die Kelter „gesteckt voll“ war. Wenn sie denn wirklich einen „Workshop“ wollte, dann hätte sie anders vorgehen müssen: Für den wohl am meisten nachgefragten Themenbereich „Verdichtung“ standen an der hinteren Kelterwand vor den ausgehängten Plänen gerade mal zwei Stehempfangtischlein, besetzt von den Herren Meier und Lüttin, umlagert von Menschentrauben. Schon wer in der zweiten Reihe stand, konnte akustisch nicht mehr verstehen, wovon die Rede war, hernach wurden Mikrofon und Lautsprecher herbeigeschafft, ein verzweifelter Versuch, die Kommunikationsbedingungen zu verbessern.
Bei dem ein Stockwerk höher in einem separaten Raum angesiedelten Thema „Verkehr“ war es nicht besser. Mein Versuch, dort teilzunehmen, scheiterte schon daran, dass ich bereits beim Öffnen jemandem die Tür ins Kreuz stieß: die Besucher standen in einem aufgeheizten Raum wie in der berühmten Sardinenbüchse: auch hier waren schon die äußeren Bedingungen, nennen wir sie ruhig so, miserabel. Das habe ich oft, das Gegenteil überhaupt nicht gehört. Workshop – man vergisst ihn besser.
Im abschließenden Plenum ging es nach einem langen Vortrag von Herrn Schmidt (Verkehr) schließlich zu wie in einem Wunschkonzert: „Wir werden ihre Anregung aufnehmen“, verkündete Herr Baldauf ein ums andere Mal, egal, ob jemand sich mündlich meldete oder ob der Wunsch (Anregung/Kommentar) auf einer Karteikarte notiert war. „Wir werden das aufnehmen“ am laufenden Band. Dabei war so manche Anregung dem gar nicht unähnlich, was schon am 29. April an der Pinwand angeheft war. „Wir nehmen Ihre Anregung auf“ …
Die wichtigen grundlegenden Fragen wurden indessen wieder nicht beantwortet oder durch nichtssagende Begriffe umschifft. Was heißt denn „angemessene Dichte“, was heißt „etwas verdichtet“? Wer bestimmt, was angemessen ist und welche Kriterien gelten? Wo sind Vergleichswerte? Und auch: Wer für diese unsinnige GFZ von 1,2 verantwortlich ist – niemand wusste es bzw. keiner wollte es sagen. Wieso die Stadt Tübingen in Pfrondorf bzw. Bühl mit GFZ-Werten von 0,7 arbeitet: Herr Baldauf, obwohl ansonsten nicht mit professoraler Belehrung geizend, hatte keine Ahnung, da müsse er sich kundig machen. Den Gefallen tun wir ihm gern, hier kann er sich über das Baugebiet „Obere Kreuzäcker“ in Bühl informieren und die URL liefern wir auch noch: https://www.tuebingen.de/Dateien/buehl_kreuzaecker_info.pdf. Für Pfrondorf soll er sich aber selber kundig machen, schließlich wird er einen Haufen Geld für seine „neutrale und faire Moderation“ kassieren.

Wirklich schlichte Frage: Wieso geht Tübingen im Ortsteil Bühl in einer Randlage von diesen Werten aus, während man in Entringen mit einer GRZ von 0,4 und dem Maximalwert einer GFZ von 1, 2 hantiert? Niemand kann das begründen und niemand hat das begründet, aber die Bürger (und die BISS) haben einen Anspruch darauf.
Zu Bühl gibt es verschiedene Angaben. Wer sich näher informieren möchte, bitte weiterlesen bei Baugebiet Bühl.
Im übrigen erledigt sich damit weitestgehend, was Herr N. Becker noch beisteuern zu müssen meinte: Die große Wohnungsnot und ökologische Gründe erzwängen, dass die Menschen enger beieinander hausen müssten. Für Tübingen gilt das wohl nicht, hier obwalten offenbar weder Wohnungsnot noch ökologischer Zwang. Und was völlig unökologisch ist und ihm als Grünem ja spontan einleuchten müsste: Hier in Entringen entsteht doch primär ein komplettes „Schlafquartier“, von dem die Pendlerströme nach Tübingen, Herrenberg und Böblingen/Sindelfingen gehen. Wohnungsnahe Arbeitsplätze entstehen nicht. Aber der ÖPNV wird’s ja richten…
Noch eine Bemerkung zum „Landschaftsverbrauch“. Der Begriff ist in sich unsinnig und eignet sich nur für ideologische Zwecke. Die „Landschaft“ kann nicht „verbraucht“ werden, denn sie ist hinterher immer noch da. Egal, ob ich einen Friedhof anlege oder eine Schule baue, ein Schutzgebiet zwecks Ansiedlung von Wiesenbrütern oder eine zweite Trasse für die Ammertalbahn, ein Fußballfeld – alles Landschaftsverbrauch. So kommen die ominösen Werte zustande! Korrekt müsste man also von einer „Umnutzung“ sprechen, für oder gegen die man im Einzelfall aus diversen Gründen sein kann. Und manchmal kann die Umnutzung auch zu einer Veredelung führen. So könnte es, vernünftige Bebauung vorausgesetzt, auch für den „Schlossblick“ kommen. Denn das unter ökologischen Aspekten wohl nicht besonders wertvolle Schulgelände war auch bislang kein Platz, der der Allgemeinheit zur Verfügung gestanden hätte: Kein Spielplatz, nur für Schüler in und während der Unterrichtszeiten.
Wenn man damit die Artenvielfalt vergleicht, die sich in einem gepflegten Garten findet …
Aber es gibt nicht nur Unerfreuliches zu vermelden: Eingangs wurde mitgeteilt, dass die BI zwischenzeitlich (vornehmlich auf dem Kelternfest am 13./14. Juli) wieder über 400 Unterschriften gesammelt hat: Das Thema ist also nach wie vor virulent. Und dann: die Architekten haben tatsächlich überarbeitete Pläne vorgelegt mit geringerer Dichte: Der Geschossbau im Friedhof soll wegfallen, das ganze etwas entzerrt werden, auch über die Geschosshöhen soll man anscheinend noch reden können. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber leider: obwohl die BI darum gebeten hatte, die überarbeiteten Pläne vorher zu Gesicht zu kriegen, geschah das natürlich nicht: Man habe bis zur letzten Minute daran gearbeitet … Ein Gutwilliger glaubt’s. Jedenfalls fehlten Zeit und Unterlagen, um sich ein fundiertes Urteil bilden zu können. Deshalb hier und jetzt auch nur die Mitteilung: Die Hoffnung lebt (noch bzw. wieder).
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