Der erste „Workshop“ ( 19. Juli)

Vertrauen, Transparenz, Misstrauen

Gleich nach dem sogenannten „Workshop“ verbreitete sich das Gefühl, dass die externen Fachleute so neutral und überparteilich, wie sie sein sollten, vielleicht doch nicht sind. Zwar stand „Vorstellung der Personen“ auf der Tagesordnung, aber so erhellend war das nicht, denn mit reiner Namensnennung und zweidrei weiteren Sätzen ist es ja nicht getan. So wurde nicht recht klar, welche Rolle Herr Prof. G. Baldauf spielen sollte, der ja bislang in Sachen „Schlossblick“ noch nicht in Erscheinung getreten war.

Was man nicht erzählt bekommt, muss man selber recherchieren. Also machten sich BISS-Mitglieder ans Werk und fanden heraus, dass zwischen allen Vertretern auf dem Podium mehr oder weniger enge Beziehungen bestehen. Das mag man ja vielleicht noch als hinnehmbar, womöglich auch als nicht ganz vermeidbar ansehen, aber dass diese Tatsache konsequent verschwiegen wurde und verschwiegen wird, lässt doch das dumpfe Gefühl aufkommen, dass wir es hier nicht mit neutralen Experten in einer ehrlichen Mediatorenrolle, sondern eher mit einer gleichgerichteten Laienspielschar mit denselben Kappen zu tun haben, die nach dem Motto verfährt: „Man kennt sich, man schätzt sich, man hilft sich“. Ist es da verwunderlich, dass sich bei den BI-lern zumindest unterschwellig das Gefühl breitmacht, dass die auf dem Podium sitzenden Fachleute vielleicht ganz andere Ziele haben als eine Verständigung zwischen Architekten, Gemeinde und Bürgerinitiative herzustellen? Im Protokoll der Sitzung der Initiativler vom 01. 08. heißt es jedenfalls: „Problematisch erscheinen generell die Verflechtungen zwischen den Beteiligten – die von der Gemeinde angekündigten neutralen Experten stehen fast durchweg in beruflichen Beziehungen zueinander, was ihre Unvoreingenommenheit zweifelhaft erscheinen lässt“.

Um konkret zu werden: Es wäre sicher gut gewesen, wenn bei der Vorstellung von Herrn Baldauf gesagt worden wäre, dass er mit der Kreisbau GmbH ein Großprojekt in Rottenburg durchgezogen hat (den sog. Spitalhof). Hier der Link dazu: https://www.baldaufarchitekten.de/projekte/248-001-rottenburg-spitalhof/#all. Am 21. 02. 2018 wurde das Richtfest gefeiert, und mit dabei war natürlich auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Kreisbau GmbH und Demokratieverächter Walter, der ein Grußwort sprach. Das muss Herrn Baldauf persönlich natürlich nicht kompromittieren, aber dass man es vollständig verschweigt und auch nicht mitteilt, warum man ihn jetzt in die causa „Schlossblick“ einbindet, befeuert doch angesichts der Tatsache, dass die Kreisbau in Entringen vitale finanzielle Interessen verfolgt, nur Ungutes: Gerüchte, Vermutungen, Verdächtigungen.

Fahren wir fort und kommen zu Herrn Grohe, dessen Unabhängigkeit schon auf der Einwohnerversammlung am 29. April in Zweifel gezogen wurde, weil er notorisch in Diensten der Gemeinde steht (Schule, Kindertagesstätte, außerdem hat er, zusammen mit der Kreisbau, auch den Schlossblickwettbewerb betreut. Dass auch das Management des Altinger Schulneubaus in seinen Geschäftsbereich fällt, verdient fast keine Erwähnung mehr.). Das könnte seine Optik natürlich trüben, aber man soll ja nicht von vornherein allzu misstrauisch sein und es soll ja jeder seine Chance haben, auch wenn man nicht besser als Gerd Grohe in Gemeindeinteressen eingebunden sein kann. Aber:
Herr Baldauf war am 19. Juli nicht darüber im Bilde, wie hoch die Verdichtung in Bühl und Pfrondorf ist bzw. sein soll, die die BISS auch in Entringen angewendet wissen möchte. So blieb denn die Publikumsmitteilung, in Pfrondorf würden ca. 100 Personen / ha angesetzt, als Behauptung im Saal stehen (hier der Link zur Stadt Tübingen: https://www.tuebingen.de/23298.html#/23969). Aber Herr Grohe müsste natürlich haargenau wissen, was in Pfrondorf Sache ist, denn die Verfahrensbetreuer des Wettbewerbs heißen: Kohler – Grohe Architekten, siehe: https://www.kohlergrohe.de/pfrondorf-quartiersentwicklung/. Wäre er nicht wider alles Erwarten ahnungslos und in der Rolle als „ehrlicher Makler“ aufgetreten, dann hätte er seinen unwissenden Kollegen aufklären können: Ja, die BI-ler haben recht, in Pfrondorf ist an eine Dichte von ca. 100 Einwohnern / ha gedacht, in Entringen an das Doppelte. Das hätte der Atmosphäre geholfen, die Diskussion fraglos vorangebracht. Aber nichts. Schweigen. Man kennt sich, man schätzt sich, man hilft sich! Omertà! Denn für die Gemeinde und die ehrenwerte Kreisbau wäre die Mitteilung natürlich nicht so förderlich gewesen, denn die immer und immer wieder gestellte Frage: Wieso geht in Entringen nicht, was anderenorts üblich ist? wäre lauter geworden!

Aber man kennt ja auch die Konstanzer Kollegen Lüttin und Co. Wieso auch nicht: https://www.kohlergrohe.de/portfolio-item/bruehlaecker-konstanz/. Und dass wie in Entringen auch bei diesem Wettbewerb Herr Aldinger und Frau Eberding im Preisgericht waren, vergiss es: Es dient ja nur dem Wohle aller und der objektiven Vergleichbarkeit!

Was folgt aus alldem? Gewiss nicht, dass die Bürger neues Vertrauen schöpfen: Man hört uns, man spricht mit uns, unsere Anliegen werden objektiv und nach Abwägung der verschiedenen Gesichtspunkte neutral beurteilt. Eher doch umgekehrt: Man fühlt sich, vorsichtig gesagt, eingeseift, ausgetrickst, verschaukelt und irgendwie für dumm verkauft!

Es ist auf dieser Seite schon darauf hingewiesen worden, dass es dem gesamten Verfahren an politischer Hygiene mangelt. Anderenorts wären „Experten“ mit solch internen Geschäftsbeziehungen längst wegen Befangenheit aufs Abstellgleis rangiert worden. Hier feiern sie fröhliche Urständ: man kennt sich eben, man schätzt sich, man hilft sich!

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